Donnerstag, 27. märz 2008
"Du hättest ja auch über Ostern in Deutschland bleiben können.", sagte Laura noch zu mir. Und Laura dann alleine in Madrid hocken lassen? Ihre Eltern sind nicht da, und Ihr Bruder mit Frau haben
sich über das Osterwochenende ebenfalls abgemeldet. Ne ne, das fangen wir gar nicht erst an. Deshalb wollte ich nicht auswandern, um dann Feiertage ohne Laura zu verbringen. Also ging es am 17.
März wieder zurück nach Madrid. Allerdings hatte ich was mitgebracht.
Schon kurz nach meiner Abreise nach Madrid, Anfang Februar, erhielt ich eine Nachricht von meiner Gemeinde, dass man es nicht richtig mitbekommen hätte dass ich schon so schnell abreisen würde, und
mich gerne offiziell verabschiedet hätte. Wir einigen uns darauf, dass bei einem meiner nächsten Deutschlandbesuche zu nachzuholen.
Da sich meine Abreise aus Deutschland nun doch verzögerte, und ich bis Montags bleiben würde, ergab sich diese Gelegenheit, und ich wurde verabschiedet.
Gleich nach dem Gottesdienst sprach mich eine mir bis dahin noch unbekannte Person an - ein Lehrer einer niederländischen Bibelschule, an der ich mal 4 Wochen Englisch gelernt habe (die Schule wird
international geführt, und die Umgangssprache ist daher Englisch. In den Sommermonaten kann man an Englischkursen Teilnehmen). Dieser erzählte mir, dass es in Madrid ebenfalls eine solche Schule
gäbe, und er mir einen Kontakt dorhin vermitteln könnte, sofern ich Iinteresse hätte. Bezüglich der Suche nach einer neuen Gemeinde in unserer Umgebung könnte uns das sicher weiterhelfen.
Schon am Montag Abend, nach meiner Ankunft in Madrid, hatte ich den Kontakt im Postfach und setzte mich am Folgetag mit dem Lehrer der hiesigen Bibelschule in Verbindung. Dieser wiederum
vermittelte mir sehr schnell eine Baptistengemeinde nur wenige Gehminuten von unserem Haus entfernt. Kaum zu glauben, dachte ich, doch da wir bisher mit unseren anderen Gemeindeadressen keinen
Erfolg hatten - ich hatte zuvor schon über den Bund unserer Heimatgemeinde eine Liste von Gemeinden in unserer Umgebung erhalten - wollten wir diese Gemeinde Ostern direkt mal
ansehen.
Das haben wir dann auch gemacht. Für mich war es der ganz persönliche Kreuzgang, denn ich hatte ein Paar nagelneue Schuhe an, die doch noch mehr drückten als ich erwartet hatte, und so hatte ich
mir auf einem 15 minütigen Weg nach 10 Minuten Blasen gelaufen. Super! Das ist mir auch noch nicht passiert.
Dennoch kamen wir rechtzeitig an, und konnten am Gottesdienst teilnehmen, der an diesem Tag nur sehr sehr dünn
besucht war, da viele Madrilenen über Ostern zu ihren außerhalb lebenden Verwandten fahren. So saßen wir in einem Saal für geschätzte 200 Personen mit 20 Leuten.
Da wir als
die Neuen natürlich sofort auffallen mussten, wurden wir zu Beginn freundlich begrüßt, und stellten uns selber kurz vor. Danach gab es dann einen Gottesdienst von knapp
45 Minuten.
Man lud uns anschließend für den kommenden Sonntag ein, und damit endete unser erster Gottesdienst seit meiner Ankunft in Madrid.
Zum Mittagessen und Kaffee waren wir mit Lauras Tante, einem Cousin mit Frau und einem befreundeten Paar verabredet. Typische Gerichte sind zu dieser Zeit Potaje (Eintopf aus Kichererbsen,
Kabeljau, Spinat) zu Mittag und zum Kaffee Torrijas, eine Art verfeinerter
Armer
Ritter (allerdings noch mit Zimt verfeinert. Erinnert uns Deutsche ein wenig mehr an Weihnachten ...).
Aber man hatte noch mehr vor, denn diese Personenzusammensetzung war nicht unbedingt typisch. Das befreundete Paar steht ebenfalls in den Planungen für ihre Hochzeit, und suchte hierfür noch
Gastgeschenke, und da kennen Laura und ihre Tante sich bestens aus. Es gibt hier in der Nähe ein China Town, in dem sich eben auch die ganzen chinesischen Großhändler angesiedelt haben. Dort darf
man allerdings nur mit Gewerbeschein einkaufen, und den wiederum hatte nur Lauras Tante.
Laura machte sich ihrerseits bereits Gedanken um den Blumenschmuck für die Hochzeit, und hier sollte die Frau des Cousins unter die Arme greifen, da sie diesbezüglich ein Händchen hat. Und so waren
die Aufgaben verteilt, und wir machten uns nach dem Kaffee auf den Weg nach China Town.
Warum man hier sonntags einkaufen kann? So etwas wie einen Ruhetag scheintes hier nicht zu geben. Man findet immer wieder Läden, die auch sonntags geöffent haben. Dies sind in der Regel die von
Marrokanern oder Chinesen.
Ich will mal nicht zu viel darüber erzählen, was wir alles im Detail gesehen und erlebt haben. Nur so viel - das Wetter war schauderhaft, es dürfen mit Gewerbeschein immer nur zwei Personen in
einen Großhandel, also steht der Rest herum, und in einem Laden voll von chinesischen Kunstblumen mit drei weiblichen Teilnehmnern und 17 verschiedenen Ansichten - suuuper ... davon träumt
jeder Mann!
Wenigstens war der Tag erfolgreich, und wir haben ein paar Blümchen gefunden die uns gefielen, und soweit ich mich erinnere sind die Gastgeschenke für Hochzeit Nummer 2 ebenfalls entschieden
worden. Was will man mehr?