Wir schreiben Sonntag, den 3. Februar 2008. Es ist gerade 0 Uhr durch und mein Opel Astra wartet voll bepackt vor der Haustüre auf mich. Es ist kalt in dieser Nacht, und die Wettervorhersage für
die ganze Strecke nicht besonders gut. Überall bewölkt und Regen.
Doch ich habe es nun einmal für mich entschieden. Immer wieder habe ich meinen Wunsch, Laura nahe zu sein und entgültig einen Schlussstrich unter diese ewige Pendelei zu ziehen,
hinausgezögert - immer wieder gab es neue Gründe, die gut genug waren die Reise hinauszuschieben. Doch dieses mal nicht.
Viele der wichtigsten Punkte sind geklärt - sogar die Steuer 2006 und 2007 ist dank eines Freundes soweit vorbereitet und zur nochmaligen Überarbeitung im Gepäck. Das ist jedes Mal mein ganz
privater Horror!
Der Inhalt aller Schränke wurde in den letzten Tagen gleichmäßig in der ersten Etage verteilt, um nützliches und unsinniges von einander zu trennen, und den alten Kram zu entsorgen, der doch
sonst nur bei meinen Eltern weiter lagern würde, um nie wieder Verwendung zu finden. Ab in die Tonne.
Tausende Bücher habe ich mir zugelegt. Viele ungelesen - die gehen natürlich mit. Aber auch viele für die vier Jahre Technikerschule, die ich nicht mehr benötige, weil ich über deren Inhalt
langsam hinausgewachsen bin, oder mich damit dann doch nicht mehr so beschäftigen konnte, wie ich es mir beim Kauf erhofft hatte. Die werden entsorgt
Nein, nein. Wer glaubt, ich schmeiße gerne Bücher weg, der irrt. Ich bin - oder war - leidenschaftlicher Sammler, und finde eine umfangreiche Buchsammlung eigentlich sehr schön. Es haben
sich im Laufe der Jahre ja auch einige schöne Romane angesammelt, die sich ganz gut im Regal machen. Doch wir hatten uns Tage zuvor noch darüber unterhalten, welchen Sinn es hat, einen gelesenen
Roman in sein Regal zu stellen, wenn man fast sicher sein kann, ihn doch nie wieder zu lesen. Sicher - das trifft nich immer zu, aber sicherlich häufiger als der Fall, das man erneut zum gleichen
Roman greift.
Bei meinen Fachbüchern war es ähnlich. Einerseits erinnern Sie mich an die 4 Jahre in der Schule - andererseits aber werde ich nie wieder hineinsehen. Heute zieht man sich die Informationen die
man braucht eben aus dem Internet.
Nun denn. Ich hatte entschieden, das ich nicht zu denen gehöre, die einen Roman noch einmal lesen werden, denn dafür gibt es einfach zu viele neue die nur darauf warten gelesen zu werden.
Außerdem soll die Sprache meiner Zukunft "spanisch" sein, also sollte auch neue Lektüre spanisch sein. Somit wurden drei Gruppen gebildet. Die Bücher die mit nach Madrid gehen, die Gruppe der
Bücher die noch jemandem aus dem Bekanntenkreis glücklich machen könnten, und die Gruppe der Bücher die an den Berghof Bethanien in Uedem gehen sollten, die Diese dann bei einer bekannten
Internetauktion verkaufen, um sich damit ein Stück weit zu finanzieren.
Meine Kleidung wurde schon vor Wochen von Mutter & Laura in Kooperation durchgesehen und auf ein sinnvolles Maß reduziert, und ich selber gab dann noch mal einigen Sachen beim packen den
rest. Was ich hier nie getragen habe, werde ich in Madrid auch nicht tragen. Soll sie die Kleidersammlung doch darüber freuen. Nur das Beste geht mit. Außerdem muss man - wie bei den Büchern auch
daran denken, dass mich in Madrid kein 160 qm großes Haus erwartet, sondern eine Wohngemeinschaft bestehend aus Laura, sowie meinem zukünftigen Schwager & Schwägerin. Jeglicher Platz will gut
eingeteilt werden.
Es war doch schon recht abenteuerlich die ganzen Sachen in den kleinen Opel zu packen. Und wenn man noch so viel aussortiert - einige Dinge habe ich doch nicht mit einpacken können, weil sie
einfach zu sperrig waren. So musste ich Beispielsweise meine Nylonsaiten Gitarre draußen lassen.
Es lief nicht alles so wie gewünscht. Nach vielem hin und her hatte ich beschlossen, am Sonntag Morgen in der Früh aufzubrechen, und für ich hatte ich auch bereits entschieden, sicher noch am
gleichen Tag in Madrid anzukommen. 24 Stunden für eine knapp 18 stündige Tour - das sollte mit genügend Pausen eigentlich zu machen sein. Allerdings habe ich dann doch nicht so viel und so
gut vorgeschlafen wie ich es wollte, daher war ich mir nicht mehr sicher ob das wirklich klappen würde.
Um kurz vor 0 Uhr des 03.02.2008 habe ich mich von meinen Lieben verabschiedet, und um kurz nach 0 Uhr saß ich ich in meinem aus allen Nähten platzenden Opel. Egal wie müde ich auch sein mochte -
ich war voll Abenteuerlust und wollte mich auf den Weg machen. Und jetzt ging es entlich los.
Über die Fahrt an sich weiß ich gar nicht, was ich schreiben soll. Das Wetter war durchweg bescheiden, und überwiegend verfolgten mich tiefhängende Regenwolken.
Die Route: Deutschland / Niederlande / Belgien / Frankreich / Spanien
Ich habe in unregelmäßigen Abständen Pausen eingelegt, und einen ausführlichen Mittagsschlaf gehalten, der mich dann auch bis zum Ende er Tour wachgehalten hat. Jedoch bekam ich mit zunehmenden
Reisekilometern immer stärkere Kopfschmerzen, und in den Pyrenäen fing es dann zu regnen an. Den Teil empfand ich auch mit Navigationssystem als ziemlich schwierig zu fahren, und ich hatte ja nun
den Benz der Navisysteme an Bord - den (heute noch) aktuellen Falk F5.
Aber bei aller Liebe - die Spanier bringen auf so engem Raum so viele Straßen unter - da kommt das beste Navisystem nicht mit, bzw. man kann kaum prüfen ob man nun richtig abgebogen ist,
oder nicht, weil parallel zu dir eine Straße für 500 Meter den gleichen Verlauf hat. Erst wenn das Navi nach rechts will, und du nach links fährst weißt du, dass sich das Navi geirrt hat ...
:-)
Egal - den kleinen Umweg den ich dort gefahren bin, war nicht der Rede wert (da habe ich besseres erlebt), und schon bald befand ich mich wieder auf dem richtigen Weg Richtung Madrid.
Laura sagte mir vor meiner Abreise noch, dass die Spanier bei Regen alle langsam fahren würden, weil sie es halt nicht gewohnt wären bei Nässe zu fahren. Aber du ahnst es ja nicht ... ich würde
den Fahrstil irgendwo zwischen leichtsinnig und wahnsinnig einordnen.
Sicher hatte auch das seinen Vorteil für mich, denn dieser wahnsinnig gewordene Bienenschwarm auf Spaniens Straßen sorgten für die notwendige Aufmerksamkeit meinerseits, und so kam ich dann
ziemlich genau um 22:30 Uhr in Getafe mit höllischen Kopfschmerzen an.
Nach einer sehr herzlichen Begrüßung dort bat ich eigentlich nur noch darum, ins Bett gehen zu dürfen, weil es mir eben nicht gut ging. So schnappten wir uns die wichtigsten Sachen, alles was auf
anhieb wertvoll aussah und die Dinge, die man eben nicht im Auto läßt, und räumten es rein.
Was sollte schon passieren - es war mittlerweile 23 Uhr durch, und es regnete. Die Straße wo ich parkte gehört zu einer kleinen Siedlung - der Weg ist ein Privatweg und durch Einfahrtsschranken
ein wenig gesichert. Kein Mensch würde sich heute Nacht noch für meinen Wagen interessieren. Zudem hatten wir die Autos so umgeparkt, dass meiner etwas eingekeilt dazwischen stand. Wer den klauen
wollte, müsste erst an den anderen Beiden wagen vorbei - nach dem empfinden von 4 von 4 WG Bewohnern war das sicher genug.
Für mich war der Tag damit zuende. Ich wollte nur noch schlafen, und das habe ich dann auch getan.