Donnerstag, 27. märz 2008
"Du hättest ja auch über Ostern in Deutschland bleiben können.", sagte Laura noch zu mir. Und Laura dann alleine in Madrid hocken lassen? Ihre Eltern sind nicht da, und Ihr Bruder mit Frau haben sich über das Osterwochenende ebenfalls abgemeldet. Ne ne, das fangen wir gar nicht erst an. Deshalb wollte ich nicht auswandern, um dann Feiertage ohne Laura zu verbringen. Also ging es am 17. März wieder zurück nach Madrid. Allerdings hatte ich was mitgebracht.

Schon kurz nach meiner Abreise nach Madrid, Anfang Februar, erhielt ich eine Nachricht von meiner Gemeinde, dass man es nicht richtig mitbekommen hätte dass ich schon so schnell abreisen würde, und mich gerne offiziell verabschiedet hätte. Wir einigen uns darauf, dass bei einem meiner nächsten Deutschlandbesuche zu nachzuholen.

Da sich meine Abreise aus Deutschland nun doch verzögerte, und ich bis Montags bleiben würde, ergab sich diese Gelegenheit, und ich wurde verabschiedet.
Gleich nach dem Gottesdienst sprach mich eine mir bis dahin noch unbekannte Person an - ein Lehrer einer niederländischen Bibelschule, an der ich mal 4 Wochen Englisch gelernt habe (die Schule wird international geführt, und die Umgangssprache ist daher Englisch. In den Sommermonaten kann man an Englischkursen Teilnehmen). Dieser erzählte mir, dass es in Madrid ebenfalls eine solche Schule gäbe, und er mir einen Kontakt dorhin vermitteln könnte, sofern ich Iinteresse hätte. Bezüglich der Suche nach einer neuen Gemeinde in unserer Umgebung könnte uns das sicher weiterhelfen.

Schon am Montag Abend, nach meiner Ankunft in Madrid, hatte ich den Kontakt im Postfach und setzte mich am Folgetag mit dem Lehrer der hiesigen Bibelschule in Verbindung. Dieser wiederum vermittelte mir sehr schnell eine Baptistengemeinde nur wenige Gehminuten von unserem Haus entfernt. Kaum zu glauben, dachte ich, doch da wir bisher mit unseren anderen Gemeindeadressen keinen Erfolg hatten - ich hatte zuvor schon über den Bund unserer Heimatgemeinde eine Liste von Gemeinden in unserer Umgebung erhalten - wollten wir diese Gemeinde Ostern direkt mal ansehen.

Das haben wir dann auch gemacht. Für mich war es der ganz persönliche Kreuzgang, denn ich hatte ein Paar nagelneue Schuhe an, die doch noch mehr drückten als ich erwartet hatte, und so hatte ich mir auf einem 15 minütigen Weg nach 10 Minuten Blasen gelaufen. Super! Das ist mir auch noch nicht passiert.

5C43C272-AC92-48D1-A3A4688F653F29BF.jpg Dennoch kamen wir rechtzeitig an, und konnten am Gottesdienst teilnehmen, der an diesem Tag nur sehr sehr dünn besucht war, da viele Madrilenen über Ostern zu ihren außerhalb lebenden Verwandten fahren. So saßen wir in einem Saal für geschätzte 200 Personen mit 20 Leuten.
Da wir als die Neuen natürlich sofort auffallen mussten, wurden wir zu Beginn freundlich begrüßt, und stellten uns selber kurz vor. Danach gab es dann einen Gottesdienst von knapp 45 Minuten.
Man lud uns anschließend für den kommenden Sonntag ein, und damit endete unser erster Gottesdienst seit meiner Ankunft in Madrid.

Zum Mittagessen und Kaffee waren wir mit Lauras Tante, einem Cousin mit Frau und einem befreundeten Paar verabredet. Typische Gerichte sind zu dieser Zeit Potaje (Eintopf aus Kichererbsen, Kabeljau, Spinat) zu Mittag und zum Kaffee Torrijas, eine Art verfeinerter Armer Ritter (allerdings noch mit Zimt verfeinert. Erinnert uns Deutsche ein wenig mehr an Weihnachten ...).

Aber man hatte noch mehr vor, denn diese Personenzusammensetzung war nicht unbedingt typisch. Das befreundete Paar steht ebenfalls in den Planungen für ihre Hochzeit, und suchte hierfür noch Gastgeschenke, und da kennen Laura und ihre Tante sich bestens aus. Es gibt hier in der Nähe ein China Town, in dem sich eben auch die ganzen chinesischen Großhändler angesiedelt haben. Dort darf man allerdings nur mit Gewerbeschein einkaufen, und den wiederum hatte nur Lauras Tante.

Laura machte sich ihrerseits bereits Gedanken um den Blumenschmuck für die Hochzeit, und hier sollte die Frau des Cousins unter die Arme greifen, da sie diesbezüglich ein Händchen hat. Und so waren die Aufgaben verteilt, und wir machten uns nach dem Kaffee auf den Weg nach China Town.

Warum man hier sonntags einkaufen kann? So etwas wie einen Ruhetag scheintes hier nicht zu geben. Man findet immer wieder Läden, die auch sonntags geöffent haben. Dies sind in der Regel die von Marrokanern oder Chinesen.

Ich will mal nicht zu viel darüber erzählen, was wir alles im Detail gesehen und erlebt haben. Nur so viel - das Wetter war schauderhaft, es dürfen mit Gewerbeschein immer nur zwei Personen in einen Großhandel, also steht der Rest herum, und in einem Laden voll von chinesischen Kunstblumen mit drei weiblichen Teilnehmnern und 17 verschiedenen Ansichten - suuuper ... davon träumt jeder Mann!

Wenigstens war der Tag erfolgreich, und wir haben ein paar Blümchen gefunden die uns gefielen, und soweit ich mich erinnere sind die Gastgeschenke für Hochzeit Nummer 2 ebenfalls entschieden worden. Was will man mehr?
von Frank
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Montag, 17. märz 2008

Ich hatte zuerst überlegt, die Überschrift für diesen Artikel Mein erster Heimaturlaub zu nennen, doch das wäre nicht mehr korrekt. Meine neue Heimat heißt nun vorübergehend Getafe, doch meine Wurzeln sind noch in Pfalzdorf verankert, was wohl auch noch eine Weile, vielleicht sogar für immer so bleiben wird.
Man sagt so einiges über Auswanderer, zum Beispiel dass man nur schlappe 3 Jahre benötigt um sich an ein wärmeres Klima zu gewöhen, oder nach 7 Jahren die Lebensart der neuen Heimat verinnerlicht hat. Ich vermute, dass es mit dem Herzen des Auswanderers zusammenhängt - ob er sich komplett umpflanzen lassen kann und will, oder ob er in der neuen Heimat nur einen Ableger bildet.
Vorerst zumindest habe ich nur einen Ableger gebildet, doch ich wehre mich nicht gegen eine Umpflanzung, und tute soweit es mir möglich ist alles dafür, mir ein selbstständiges Leben aufzubauen. Dazu gehört unter anderem sich nach einer neuen Heimatgemeinde (neue Kirche meine ich, für die, die mit dem Begriff Heimatgemeinde nichts anfangen können) umzusehen, was sich die letzten Wochen als schwierig herausgestellt hat. Dazu aber ein andermal mehr.

In anderen Dingen bin ich da bereits weiter. Wie in einem anderen Artikel erwähnt (Woche 1) gehen wir zum Schlittschuhlaufen und tanzen bereits in unserem neuen Verein, und das macht mir überaschenderweise richtig spaß. Die Lehrer sind sehr witzig und rücksichtsvoll, wenn der deutsche mal wieder nicht verstanden hat was sie erklären wollten. By the way - da Tanzen nun mal wirklich was mir reden zu tun hat, und ich mache brav nach was die Beiden vormachen. Das klappt schon ganz gut, und geht auf jeden Fall schneller als Spanisch zu lernen.

Aber der Artikel hatte eine andere Überschrift, und so will ich dann auch berichten, dass ich diese Reise nach Deutschland schon vor meinem Tripp nach Spanien geplant hatte, denn ein Freund hatte zu seinem 30. Geburtstag geladen, und ich hatte zugesagt zu kommen.
So ging mein Flug dann auch bereits am 5. März, weil ich noch einge Dinge zu erledigen hatte, was den Diebstahl meines Wagens anging, sowie meine Lohnsteuerjahresausgleich 2006/2007, die zur weiteren Bearbeitung im Wagen lagen und auf Abgabe warteten. Das war übrigens das erste mal, dass ich das selber machen wollte. Der Diebstahl war also ein Zeichen - nie wieder selber anfassen! Glücklicherweise bin ich Mitglied der Lohnsteuerhilfe und habe ich als erste Amtshandlung am Freitag direkt dorthin aufgemacht, damit sie mir sagen was ich nun wieder alles besorgen muss, um noch möglichst gut aus der Sache herauszukommen.

Es gab aber noch mehr zu erledigen. Bereits vor meiner Abreise hatte ich gesundheitliche Probleme. Eine hartnäckige Erkältung wollte nicht abklingen, sondern wurde zunehmend schwerer und schlug mir mittlerweile auf die Ohren. Am Tag nach meiner Ankunft hatte ich direkt Mittags einen Termin beim Artzt, der mir auch promt Penicillin verschrieb.
Nachdem ich ihm dann noch von einigen kleineren und bisher unwesentlich erscheinenden Wewechen erzählte, äußerte er den Verdacht auf Borreliose, woraufhin ich am nächsten Morgen zur Blutabnahme kommen sollte.
Das Ergebnis der Diagnose war negativ, obwohl ich mir sicher war dass es das sein müsste - alle Indizien sprachen meiner Meinung nach dafür.
Bei der Besprechung des Ergebnisses mit dem Arzt leitete dieser nun wohl die standart Folgeschritte ein - Suche nach Alergien, was auch negativ endete, und Erstellung eines Leistungs-EKGs, was ebenfalls zu keinen neuen Erkenntnissen führte. Im Gegenteil - laut den Werten aller Untersuchungen war ich sogar kerngesund. Das wiedersprach zwar dem was ich fühlte, aber was half es?

Nebenbei muss ich erwähnen, dass ich am 11. März wieder abreisen wollte, die Ergebnisse für die Untersuchungen aber noch nicht da waren. Da meine Krankenkasse nur noch bis zum 15. März für meine Medikamentenkosten aufkommen würde, musste ich die Sache also in dieser Woche über die Bühne bringen.
Mit der Erfahrung, einen Iberia Flug relativ problemlos für eine Gebühr von 25 Euro verschieben zu können, ließ ich meinen Rückflug also verstreichen, und ging statt dessen weiter zum Arzt. Parallel kümmerte ich mich um einen neuen Flug, bzw. Laura wollte sich eben um das Verschieben kümmern. Wie sich aber herausstellte, ging das natürlich auf einmal nicht mehr, und so musste ich einen neuen Flug buchen. So kurzfristig ist das natürlich kein billiger Spaß, und so flog ich dann überteuert Montags, den 17. März mit der Swiss Air über Zürich zurück nach Madrid.

Wie ich bereits vorher schrieb stellte sich Inzwischen heraus, dass ich nichts hatte, was einer Behandlung würdig gewesen wäre, und somit war ich doppelt gekniffen, und hatte noch nicht mal was von meinem längeren Aufenthalt - sieht man mal davon ab, dass es nun auch keine Folter ist, sich bei deutscher Familie und Freunden aufzuhalten.
Ich habe die Zeit natürlich gut genutzt - viele Freunde getroffen, aber auch kontinurierlich gearbeitet. Ich hab es in den letzten Artikeln nicht erwähnt, aber ich hatte da bei meinem alten Arbeitgeber immer noch ein offenes Projekt, das ich immer noch mit unterstützte, und stand im regelmäßen Kontakt mit meinem Nachfolger.
In Spanien hatte ich einen ziemlich straffen Tagesablauf, auch wenn man es kaum glauben soll. Doch mir blieb täglich nur verhältnismässig wenig Zeit, um mich um dieses Projekt zu kümmern. Jetzt in Deutschland konnte ich den ganzen Vormittag daran arbeiten, und richtig was wegschaffen. So gesehen war es eine sehr produktive und gut genutzte Zeit, denn ich wollte das Projekt langsam loswerden, da es mich doch mehr beanspruchte als ich anfangs erwartet hatte und mich davon abhielt, mich vernünftig auf mein Spanischlernen zu konzentrieren.

Wenn ich jetzt beim schreiben so darüber nachdenke, war der Flug doch nicht zu teuer. Immerhin konnte ich am Wochenende vor meiner Abfreise das Projekt soweit beenden, dass ich damit am Dienstag nach meiner Ankunft schon nichts mehr anfassen musste. Das war den Preis wert, denn ab diesem Tag hatte ich das Gefühl, wirklich in Spanien angekommen zu sein. Es gab keine Altlast mehr, die mich jetzt drückte und um dich ich mich zu kümmern hatte. Ab heute würde das mit dem Spanischlernen alles viel schneller gehen ... dachte ich ...

von Frank
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Montag, 25. februar 2008
Hallo Zusammen,

es ist bereits 3 Wochen her, als ich diese Worte in meinem Auto sitzend zu meinen Eltern sagte, und mich auf die ca. 1800 km weite und Netto ca. 18 Stunden dauernde Reise machte. 

Einige Tage zuvor verkündigte ich meinen lieben Kollegen noch einen Blog starten zu wollen und über meine Erlebnisse, auf dem Weg ein Spanier zu werden, zu berichten. 3 Wochen später starte ich nun auf die Anfrage eines Freundes hin, der mich schmerzlich daran erinnert hat dass ich da noch einen offenen Punkt auf meiner To-Do Liste hatte. 

Das war gar nicht so einfach. Den Gedanken, den Blog auf meinem eigenen HomeIP Server zu hosten schlug jäh fehl - habe auf die schnelle nichts gefunden, was meinen Ansprüchen genügt hätte - vom "mal eben" selbst programmierten ASP.NET Blog mal ganz abgesehen. Im nächsten Leben vielleicht. 
Also ging ich auf die Suche. Erste Anlaufstelle war gleich der erste Anbieter auf der Suchergebnisliste, doch den habe ich nach 10  Minuten nervtötenden "Diese Seite kann nicht angezeigt werden" Fensterchen in die Tonne gehauen. Das hat heute sicher keiner mehr nötigt. Die Werbung war das einzige was dort gut funktionierte. Und wenn ich mich schon prostituiere und meine Daten einem dieser Werbehäscher preis gebe, dann muss er dafür auch was tun. 

Nun - hier sind wir - 2 Minuten Registrierung, und ich schreibe meinen ersten Eintrag. So muss es sein. Und alles sehr aufgeräumt. 

Nun werde ich die Tage mal beginnen, meine Erlebnisse der letzten 3 Wochen aufzuarbeiten und hier nieder zu schreiben. Sicher werden es zu Beginn ein paar mehr Einträge sein, da in den letzten Wochen einfach sehr viel passiert ist. Aber ich gehe davon aus, dass es auch bald weniger werden, wenn langsam Routine in den Alltag einkehrt. 

In diesem Sinne wünsche ich viel Vergnügen beim lesen.

Grüße aus Madrid,
Frank
von Frank
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Montag, 4. februar 2008

Laura ist Krank! Das hat auch was Gutes, denn wir haben viel Zeit. Normalerweise hatte ich geplant, meinem Nachfolger bei SHC noch ein wenig unter die Arme zu greifen, doch dass muss Angesichts der Tatsache, dass ich nichts mehr anzuziehen habe, ich erst mal hinten anstehen.
Was mir geblieben ist sind meine Sachen am Leib, die ich schon die ganze Fahrt über getragen habe, plus ein Paar Birkenstock und mein Pyjamer. Schmale Ausbeute.

Wir haben Glück im Unglück. Es ist Winterschlussverkauf in Madrid, und wir verbringen so ziemlich den Rest der Woche damit, günstigen Angeboten hinterherzujagen.

Die restliche Zeit verbringen wir überwegend mit Krankenpflege und Hochzeitsvorbereitungen. Laura hat einige Hotels angeschrieben und steht nun mit diesen in Kontakt, um Preise in Erfahrung zu bringen. Schließlich wollen wir es unseren deutschen Gästen ermöglichen, so günstig wie Möglich in Madrid zu übernachten.

Ansonsten haben wir Planungen vorgenommen, was wir nun mit unseren gemeinsamen Zeit hier sonst noch so anfangen wollen. So offenbart Laura mir, dass ich mit ihr Montags zum Schlittschuhlaufen angemeldet bin, was ich erst einmal unkommentiert auf mich zukommen lassen werde, denn ich hatte nie eigene Schlittschuhe, und weiß noch überhaupt nicht ob mir das nicht sogar liegen könnte. Ungern habe ich es eigentlich nie gemacht, also warum nicht?

Weiterhin möchten wir tanzen lernen - das hatten wir schon vor einer ganze Weile besprochen, doch jetzt heißt es, das auch in die Tat umzusetzen. Wir waren mit Lauras Eltern schon mal bei einer  Tanzschule zu Besuch, was uns damals gut gefallen hat. Laura hatte sich bereits über die Unterrichtszeiten informiert, und so beschließen wir das in der kommenden Woche anzugehen und mal dort vorbeizuschauen. Dann nämlich soll wieder ein Anfängerkurs starten, in dem man die Basics vieler verschiedener Tänze lernt. Genau das was wir suchen.

Da ich den Artikel arg verzögert schreibe fallen mir weitere Details zu der Woche schon nicht mehr ein, doch ich denke, das war schon eine ganze Menge für die erste Woche. Zum erholen war es auf jeden Fall nicht, da zusätzlich zur Rabattjagt auch das Wetter nicht wirklich schön werden wollte, und wir in den ersten 3 Wochen meiner Anwesenheit die Sonne kaum gesehen haben, dafür aber mehrfahr Regen, was statistisch an Niederschlagsmenge schon für das ganze Jahr reichen sollte.

Na dann. Auf zum nächsten Artikel.

von Frank
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Montag, 4. februar 2008
Es ist kurz vor 10 Uhr, und der Tag beginnt etwas freundlicher als die Nacht aufgehört hat. Es regnet nicht mehr, ist aber weiterhin bewölkt. Die anderen mussten  zur Arbeit, daher bin ich alleine und habe alle Ruhe der Welt, mich fertig zu machen, und mein Auto auszuräumen.

Ich beschließe, das noch vor dem Frühstück zu machen, und laufe zur Straße. Hm, etwas merkwürdig - mein Wagen steht nicht an seinem Platz, aber das kann verschiedene Gründe haben. Vielleicht habe sie ihn heute Morgen eben umgeparkt, nachdem die schützenden Wagen nicht mehr um ihn herumstanden.
Also laufe ich zur nächsten Seitenstraße, doch da steht er auch nicht. Na ja, hinter dem Haus veräuft auch noch eine Straße, doch auf dem Gang dahin überlege ich schon wie es mir wohl gehen würde, wenn er dort auch nicht steht. Merkwürdig unbeteiligt stelle ich fest, dass der Wagen dort auch nicht steht - na ja, irgendwie habe ich das schon gewusst. Und jetzt? Ich höre kurz in mich, aber da ist keine großartige Gefühlswelle die sich anbahnt - nichts, was mich jetzt verzweifeln läßt weil der Wagen oder die restlichen Sachen in ihm nicht da sind. Ist das normal?
Ich entscheide mich dazu, noch Alternativen zuzulassen, und rufe Laura bei der Arbeit an. Vielleicht weiß sie mehr. Leider stellt sich heraus, dass weder Laura noch ihr Bruder mehr wissen und es wirklich danach aussieht, als hätte jemand den Wagen noch in den Stunden zwischen meiner Ankunft und dem Aufstehen von Lauras Bruder geklaut. 

Laura ruft inzwischen die Polizei an und meldet den Diebstahl. Bereits um 11 Uhr ist Laura wieder von der Arbeit da - die nette Chefin hat ihr frei gegeben um die Angelegenheit zu klären. Wärend mich der Diebstahl und meine nunmehr nicht mehr vorhandenen Sachen weiterhin merkwürdig kalt läßt, kommt Laura wutentbrannt zur Tür hinein. Man sperre einen Autodieb und eine wutentbrannte Spanierin in einen Raum ... = keine Polizei mehr notwendigt. Vielleicht das Team von CSI zur späteren Identifikation :-)

Wir machen uns also auf den Weg zur Polizeistation, um dort alle notwendigen Angaben zu hinterlassen und mich mit einem spanisch akzentuierten "Wecome to Spain" begrüßen zu lassen. Wie in Deutschland auch machen sie uns dort nicht viel Hoffnung den Wagen und oder seinen Inhalt je wiederzusehen. Dafür sind die Diebe hier wie dort viel zu gut organisiert.
So sind wir nach gut einer Stunde wieder Zuhause, mit den Unterlagen für meine Versicherung in der Tasche, die meine Eltern dann auch direkt über die Situation aufgeklärt haben, und von wo aus ich nun auf weitere Instruktionen warte, was weiter zu tun ist.

Doch der Tag ist noch nicht zu ende. Eigentlich bin ich unter anderem deswegen am Sonntag aufgebrochen, weil am Montag mein Einstufungstest für einen Spanischkurs stattfindet. Der ist um 18 Uhr, und wir haben den halben Tag mit dem dummen Autoklau vertan. Jetzt wird es höchste Zeit sich auf nach Leganes zu machen.

Zusammen mit noch 10 weiteren Schülern sitzen wir kurz darauf in einem kleinen Klassenzimmer der Sprachschule von Leganes, und drücken uns in die kleinen Bänke. Die Ausstattung ist mal was neues - das hatte ich bisher auch noch nicht - Stühle mit angebauter Schreibunterlage. Ein wenig unpraktisch wie ich finde (es braucht etwas bis man raushat sich da reinzudrücken, und es einigermaßen gekonnt aussehen zu lassen), andererseits praktisch für den Unterricht, wenn man die Leute in bunte Gruppen mischen möchte. Mit nimmt seinen Stuhl samt Tisch einfach mit.

Ein gute Stunde später wissen wir, das ich bereits für die mittlere von drei Anfängerstufen taugen soll. Na dann. Ich trau dem Braten noch nicht. Am nächsten Montag, dem 11. 02 wird es losgehen - täglich von 17-19 Uhr. Da werden wir es dann ja sehen.

Für heute ist erst mal wieder schluss. Wir haben echt genug erlebt. Ab nach Hause - Abendessen und Bett.
von Frank
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Sonntag, 3. februar 2008
Wir schreiben Sonntag, den 3. Februar 2008. Es ist gerade 0 Uhr durch und mein Opel Astra wartet voll bepackt vor der Haustüre auf mich. Es ist kalt in dieser Nacht, und die Wettervorhersage für die ganze Strecke nicht besonders gut. Überall bewölkt und Regen. 

Doch ich habe es nun einmal für mich entschieden. Immer wieder habe ich meinen Wunsch, Laura nahe zu sein und entgültig einen Schlussstrich unter diese ewige Pendelei zu ziehen, hinausgezögert - immer wieder gab es neue Gründe, die gut genug waren die Reise hinauszuschieben. Doch dieses mal nicht. 
Viele der wichtigsten Punkte sind geklärt - sogar die Steuer 2006 und 2007 ist dank eines Freundes soweit vorbereitet und zur nochmaligen Überarbeitung im Gepäck. Das ist jedes Mal mein ganz privater Horror! 
Der Inhalt aller Schränke wurde in den letzten Tagen gleichmäßig in der ersten Etage verteilt, um nützliches und unsinniges von einander zu trennen, und den alten Kram zu entsorgen, der doch sonst nur bei meinen Eltern weiter lagern würde, um nie wieder Verwendung zu finden. Ab in die Tonne.

Tausende Bücher habe ich mir zugelegt. Viele ungelesen - die gehen natürlich mit. Aber auch viele für die vier Jahre Technikerschule, die ich nicht mehr benötige, weil ich über deren Inhalt langsam hinausgewachsen bin, oder mich damit dann doch nicht mehr so beschäftigen konnte, wie ich es mir beim Kauf erhofft hatte. Die werden entsorgt

Nein, nein. Wer glaubt, ich schmeiße gerne Bücher weg, der irrt. Ich bin - oder war - leidenschaftlicher Sammler, und finde eine umfangreiche Buchsammlung eigentlich sehr schön. Es haben sich im Laufe der Jahre ja auch einige schöne Romane angesammelt, die sich ganz gut im Regal machen. Doch wir hatten uns Tage zuvor noch darüber unterhalten, welchen Sinn es hat, einen gelesenen Roman in sein Regal zu stellen, wenn man fast sicher sein kann, ihn doch nie wieder zu lesen. Sicher - das trifft nich immer zu, aber sicherlich häufiger als der Fall, das man erneut zum gleichen Roman greift. 
Bei meinen Fachbüchern war es ähnlich. Einerseits erinnern Sie mich an die 4 Jahre in der Schule - andererseits aber werde ich nie wieder hineinsehen. Heute zieht man sich die Informationen die man braucht eben aus dem Internet.

Nun denn. Ich hatte entschieden, das ich nicht zu denen gehöre, die einen Roman noch einmal lesen werden, denn dafür gibt es einfach zu viele neue die nur darauf warten gelesen zu werden. Außerdem soll die Sprache meiner Zukunft "spanisch" sein, also sollte auch neue Lektüre spanisch sein. Somit wurden drei Gruppen gebildet. Die Bücher die mit nach Madrid gehen, die Gruppe der Bücher die noch jemandem aus dem Bekanntenkreis glücklich machen könnten, und die Gruppe der Bücher die an den Berghof Bethanien in Uedem gehen sollten, die Diese dann bei einer bekannten Internetauktion verkaufen, um sich damit ein Stück weit zu finanzieren. 

Meine Kleidung wurde schon vor Wochen von Mutter & Laura in Kooperation durchgesehen und auf ein sinnvolles Maß reduziert, und ich selber gab dann noch mal einigen Sachen beim packen den rest. Was ich hier nie getragen habe, werde ich in Madrid auch nicht tragen. Soll sie die Kleidersammlung doch darüber freuen. Nur das Beste geht mit. Außerdem muss man - wie bei den Büchern auch daran denken, dass mich in Madrid kein 160 qm großes Haus erwartet, sondern eine Wohngemeinschaft bestehend aus Laura, sowie meinem zukünftigen Schwager & Schwägerin. Jeglicher Platz will gut eingeteilt werden. 

Es war doch schon recht abenteuerlich die ganzen Sachen in den kleinen Opel zu packen. Und wenn man noch so viel aussortiert - einige Dinge habe ich doch nicht mit einpacken können, weil sie einfach zu sperrig waren. So musste ich Beispielsweise meine Nylonsaiten Gitarre draußen lassen. 

Es lief nicht alles so wie gewünscht. Nach vielem hin und her hatte ich beschlossen, am Sonntag Morgen in der Früh aufzubrechen, und für ich hatte ich auch bereits entschieden, sicher noch am gleichen Tag in Madrid anzukommen. 24 Stunden für eine knapp 18 stündige Tour - das sollte mit genügend Pausen eigentlich zu machen sein. Allerdings habe ich dann doch nicht so viel und so gut vorgeschlafen wie ich es wollte, daher war ich mir nicht mehr sicher ob das wirklich klappen würde. 

Um kurz vor 0 Uhr des 03.02.2008 habe ich mich von meinen Lieben verabschiedet, und um kurz nach 0 Uhr saß ich ich in meinem aus allen Nähten platzenden Opel. Egal wie müde ich auch sein mochte - ich war voll Abenteuerlust und wollte mich auf den Weg machen. Und jetzt ging es entlich los.

Über die Fahrt an sich weiß ich gar nicht, was ich schreiben soll. Das Wetter war durchweg bescheiden, und überwiegend verfolgten mich tiefhängende Regenwolken. 

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Die Route: Deutschland / Niederlande / Belgien / Frankreich / Spanien

Ich habe in unregelmäßigen Abständen Pausen eingelegt, und einen ausführlichen Mittagsschlaf gehalten, der mich dann auch bis zum Ende er Tour wachgehalten hat. Jedoch bekam ich mit zunehmenden Reisekilometern immer stärkere Kopfschmerzen, und in den Pyrenäen fing es dann zu regnen an. Den Teil empfand ich auch mit Navigationssystem als ziemlich schwierig zu fahren, und ich hatte ja nun den Benz der Navisysteme an Bord - den (heute noch) aktuellen Falk F5. 
Aber bei aller Liebe - die Spanier bringen auf so engem Raum so viele Straßen unter - da kommt das beste Navisystem nicht mit, bzw. man kann kaum prüfen ob man nun richtig abgebogen ist, oder nicht, weil parallel zu dir eine Straße für 500 Meter den gleichen Verlauf hat. Erst wenn das Navi nach rechts will, und du nach links fährst weißt du, dass sich das Navi geirrt hat ... :-)

Egal - den kleinen Umweg den ich dort gefahren bin, war nicht der Rede wert (da habe ich besseres erlebt), und schon bald befand ich mich wieder auf dem richtigen Weg Richtung Madrid. 
Laura sagte mir vor meiner Abreise noch, dass die Spanier bei Regen alle langsam fahren würden, weil sie es halt nicht gewohnt wären bei Nässe zu fahren. Aber du ahnst es ja nicht ... ich würde den Fahrstil irgendwo zwischen leichtsinnig und wahnsinnig einordnen.
Sicher hatte auch das seinen Vorteil für mich, denn dieser wahnsinnig gewordene Bienenschwarm auf Spaniens Straßen sorgten für die notwendige Aufmerksamkeit meinerseits, und so kam ich dann ziemlich genau um 22:30 Uhr in Getafe mit höllischen Kopfschmerzen an. 

Nach einer sehr herzlichen Begrüßung dort bat ich eigentlich nur noch darum, ins Bett gehen zu dürfen, weil es mir eben nicht gut ging. So schnappten wir uns die wichtigsten Sachen, alles was auf anhieb wertvoll aussah und die Dinge, die man eben nicht im Auto läßt, und räumten es rein. 
Was sollte schon passieren - es war mittlerweile 23 Uhr durch, und es regnete. Die Straße wo ich parkte gehört zu einer kleinen Siedlung - der Weg ist ein Privatweg und durch Einfahrtsschranken ein wenig gesichert. Kein Mensch würde sich heute Nacht noch für meinen Wagen interessieren. Zudem hatten wir die Autos so umgeparkt, dass meiner etwas eingekeilt dazwischen stand. Wer den klauen wollte, müsste erst an den anderen Beiden wagen vorbei - nach dem empfinden von 4 von 4 WG Bewohnern war das sicher genug.

Für mich war der Tag damit zuende. Ich wollte nur noch schlafen, und das habe ich dann auch getan.

von Frank
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